Sprungbrett in die Ausbildung nutzen

Fünf Teilnehmer des Praktikumsprojekts von EUV und EWG bekamen nun ihre Ausbildungsverträge überreicht. Projekt bietet realistische Jobchancen trotz Krise



Essen. 14 junge Menschen absolvieren derzeit im Rahmen eines Sonderprojekts des Essener Unternehmensverbandes (EUV) und der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG) ein Praktikum in lokalen Unternehmen. Fünf von ihnen bekamen am heutigen Mittwoch ihre Ausbildungsverträge überreicht - darunter auch zwei Teilnehmer mit Migrationshintergrund: Im Herbst beginnt ihre Lehrzeit bei der Telekom. "Wir haben die fünf Praktikanten als engagierte junge Menschen kennen gelernt, die das Praktikum genutzt haben, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und die Defizite aus dem letzten Schuljahr auszugleichen. Sie haben sich den Ausbildungsplatz redlich verdient", berichtet Iris Gerstmeier, Ausbildungskoordinatorin bei der Telekom. Der 25jährige Baris Sayman aus Hattingen freut sich besonders über den Ausbildungsplatz zum Kaufmann im Einzelhandel bei der Telekom: "Ich habe ein Kind und eine Freundin, daher ist diese Chance für mich besonders wichtig. Ich bis sehr stolz und kann allen nur raten: Dranbleiben, dann schafft man's schon!" Jörg Hering hat von dem Projekt aus der Zeitung erfahren und freut sich nun auf seine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker bei der Telekom: "Ich habe viele Bewerbungen geschrieben und bin froh, dass ich nun endlich meinen Vertrag unterzeichnen konnte." Auch andere Praktikanten haben schon Ausbildungszusagen oder wurden bereits übernommen. Der 20jährige Fadilj Maljoku beispielsweise beginnt im Herbst die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker bei der Cantec GmbH & Co. KG. Zwei Praktikanten wurden bereits im laufenden Projekt bei der Telekom und bei Streif Baulogistik in ein Ausbildungsverhältnis übernommen und ein Teilnehmer kann nach seinem Praktikum bei der Rent-a-byte AG in einem anderen Unternehmen seine Ausbildung beginnen. Im Rahmen der Übergabe der Ausbildungsverträge kamen die Initiatoren des Projekts am Mittwoch, 18. Februar, im Erich-Brost-Berufskolleg zusammen und zogen Bilanz. Fazit: Das Projekt bietet eine echte Chance - die Jugendlichen müssen sie nur nutzen.

"Angefangen haben wir im September 2008 mit 24 Teilnehmern, einige sind bereits in Ausbildung oder haben aus anderen Gründen früher aufgehört. Von derzeit noch 14 Praktikanten können sich bereits sieben auf eine Ausbildung freuen, das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann", so EUV-Hauptgeschäftsführer Ulrich Kanders. Insgesamt sind die Erfahrungen mit dem Praktikumsprojekt auch für die Unternehmen positiv. "Die Praktikanten lernen den Berufsalltag kennen und werden im Unternehmen eingebunden. So bekommen wir einen ganz anderen Eindruck als zum Beispiel in einem Vorstellungsgespräch. Oft sind es gerade Jugendliche, die im Vorstellungsgespräch nicht auf den ersten Blick überzeugen konnten, die nun in der Praxis ihre Chance nutzen", berichtet Iris Gerstmeier von der Telekom, die auch im letzten Jahr vier Praktikanten in eine Ausbildung übernommen hat. "Das Konzept geht auf. Dank der guten Zusammenarbeit mit den Firmen sowie dem Erich-Brost- und dem Heinz-Nixdorf-Berufskolleg ist das Praktikumsjahr eine wertvolle Erfahrung und Weiterqualifikation für Jugendliche, die sonst auf der Straße ständen", ergänzt Ulrich Kanders.
"Unsere jüngste Konjunkturumfrage unter Firmen in Essen und dem Ruhrgebiet hat ergeben, dass die Betriebe trotz der Krise auf Ausbildung setzen. Hierfür sind sie aber auf gute Leute angewiesen. Die meisten unserer Teilnehmer sind motiviert und sehr engagiert, schulische Defizite auszugleichen und an ihrem Sozialverhalten zu arbeiten. Dafür werden sie verdientermaßen mit einem Ausbildungsvertrag belohnt. Allerdings hören wir aus manchen Unternehmen, dass die Praktikanten, einerseits Defizite im schulischen Bereich aufweisen, sich aber andererseits auch nicht bemühen, dies durch Einsatzbereitschaft und Zuverlässigkeit auszugleichen. Wir hoffen, dass auf diese Jugendlichen der Erfolg ihrer Klassenkameraden motivierend wirkt und sie noch die Kurve kriegen. Die Chance haben sie bei uns weiterhin."

Eine gute Qualifizierung der Praktikanten liegt allen Initiatoren des Projekts am Herzen. Daher besuchte die Praktikantenklasse im Januar geschlossen den zweitägigen Workshop "Fit für die Ausbildung". Im Workshop wurden den Jugendlichen vor allem praktische und sofort umsetzbare Übungen auf, die fachübergreifende Schlüsselqualifikationen für den beruflichen und auch für den persönlichen Erfolg vermitteln.

Hintergrund: Das Praktikumsprojekt

Jugendlichen, die aufgrund schulischer Defizite oder anderer Probleme noch keinen Ausbildungsplatz finden konnten, eine echte Perspektive zu bieten, war das Ziel, mit dem der EUV und die EWG im Jahr 2007 das "Sonderprojekt Praktikumsplätze" ins Leben gerufen haben. An zwei Tagen pro Woche sind die Praktikanten im Unternehmen eingesetzt, an den weiteren drei Tagen besuchen sie das Erich-Brost- und das Heinz-Nixdorf-Berufskolleg. Neben den üblichen Fächern wie Deutsch, Mathe und Englisch werden ihnen dort auch fundierte EDV-Kenntnisse vermittelt. Bei den Teilnehmern handelt es sich meist um Jugendliche mit sozialen Schwierigkeiten oder schulischen Problemen, die zunächst durch das Raster der Auswahlverfahren gefallen sind. In diesem berufsvorbereitenden Jahr können sie sich in der Praxis beweisen und Schlüsselfertigkeiten für die Ausbildung erwerben. Im ersten Jahr des Projekts im Schuljahr 2007/2008 lag die Erfolgsquote bereits bei 100 Prozent: Alle zwölf Teilnehmer hatten am Ende des Schuljahres einen Ausbildungsvertrag in der Hand.
Bei weiteren Fragen steht Ihnen Frau Berit Hullmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Essener Unternehmensverbandes e. V., gerne zur Verfügung.

Tel.: 0201 82013-33, Fax: 0201 82013-13, E-Mail: berit.hullmann@euv.de